Projektbezeichnung:
Zucht und Auswilderung von Steinkäuzen (Athene noctua) zur Stützung einer vom dauerhaften Erlöschen bedrohten Population im südlichen Sachsen-Anhalt-Burgenlandkreis.
Projektbegründung:
Mit der Zucht und anschließenden Auswilderung von Steinkäuzen im südlichen Sachsen-Anhalt-Burgenlandkreis soll das dauerhafte Erlöschen einer regionalen Steinkauzpopulation im Saaletal südlich von Weißenfels sowie im Elstertal zwischen Zeitz und Profen verhindert werden.
Projektziel:
Stützung und Etablierung einer freilebenden und sich selbst tragenden Steinkauzpopulation in den Fluss- und Dorflandschaften des Burgenlandkreises innerhalb eines Zeitraumes von ca. zehn Jahren. Der Start des Auswilderungsprojektes ist für 2025 geplant. Als Zielgröße wird eine etwa 10 bis 20 Revierpaare umfassende Population angestrebt.
Beschreibung des Vorhabens:
Der Steinkauz ist eine der am stärksten bedrohten Vogelarten der Kulturlandschaft in Sachsen-Anhalt. Im heutigen Burgenlandkreis konnte die Art bis Mitte der 1980er-Jahre regelmäßig als Brutvogel im Saaletal zwischen Wengelsdorf und Goseck festgestellt werden. Aktuelle Einzelnachweise liegen aus dem mittleren Saaletal zwischen Kleinkorbetha und Wengelsdorf sowie zwischen Goseck und Naumburg vor.
Zum jetzigen Zeitpunkt muss davon ausgegangen werden, dass der Steinkauz als Brutvogel im südlichen Sachsen-Anhalt (Burgenlandkreis) kurz vor dem Aussterben steht und nur durch ein langfristiges Biotopmanagement, gekoppelt mit Artenschutz- und Auswilderungsmaßnahmen vor dem Aussterben bewahrt werden kann.
Eine natürliche Wiederbesiedlung verwaister Steinkauzbiotope in den Flusslandschaften von Saale, Unstrut und Weißer Elster ist trotz vorhandener Biotopstrukturen in naher Zukunft nicht zu erwarten. In erster Linie ist dafür der Mangel an erfolgreichen Quellpopulationen verantwortlich. Hinderlich für eine schnelle Ausbreitung erfolgreich reproduzierender Populationen sind zudem die sprichwörtliche Standorttreue und die hohe Mortalität junger Steinkäuze.
Um eine sich zukünftig wieder selbst tragende Steinkauzpopulation anzusiedeln, müssen Rückgangsursachen in ihrer negativen Wirkung beseitigt oder wirksam reduziert werden. Mit der zuständigen Behörde des Burgenlandkreises erfolgte dazu eine erste inhaltliche Abstimmung.
Das Artenschutzprogramm Steinkauz des NABU Regionalverbandes Saale-Elster e. V. setzt sich aus drei zeitlich und inhaltlich unterschiedlich bestehenden Bausteinen zusammen, ist auf eine Laufzeit von mindestens zehn Jahren ausgerichtet und zielt auch auf den Schutz anderer gefährdeter Arten der Kulturlandschaft ab.
Langfristige Naturschutzmaßnahmen:
– Neuanlage und Verjüngung bestehender Obst- und Kopfbaumbestände (jährlich ist die Pflanzung von mindestens 10 Obstbäumen in den verschiedenen Streuobstbeständen vorgesehen)
– Artenschutzmaßnahmen im biologisch bewirtschafteten Dechantenweinberg und den angrenzenden, überalterten Streuobstbeständen.
– Erhalt und steinkauzgerechter Umbau der freiwerdenden Trafostation unterhalb des Dechantenweinberges bei Goseck.
– jährliche Auswilderung von möglichst 10 genetisch verschiedenen Jungkäuzen
– Erfolgskontrolle und Dokumentation der Ergebnisse (NABU RV Saale-Elster e. V.)
– Ausrichtung von Ausgleichs-, Ersatz- und Pflegemaßnahmen auf das Steinkauz-Wiederansiedlungsprojekt in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde des Burgenlandkreises
Benennung des Gebietes:
Die Artenschutzmaßnahmen und die Auswilderung von Steinkäuzen zur Stützung einer vom Erlöschen bedrohten Population im südlichen Sachsen-Anhalt erstrecken sich flächenmäßig über den südlichen Teil des Burgenlandkreis.
Die Schwerpunkte der Aktivitäten liegen in den naturnahen und zum größten Teil unter Natur- und Landschaftsschutz stehenden Flusstälern von Saale, Weißer Elster, Unstrut und Nautzschke.
Der Start der Auswilderungsmaßnahme ist in der Saaleaue zwischen Wengelsdorf und Kriechau vorgesehen.
Zusammenfassung:
Das Gesamtpaket der Maßnahmen muss darauf ausgerichtet sein, einen intakten Lebensraum für Athene noctua und anderer gefährdeter Arten der Kulturlandschaft (Schleiereule, Dohle, Wendehals, Grün- und Kleinspecht, Gartenrotschwanz, Zauneidechse, Wechselkröte.) zu schaffen und langfristig zu erhalten. Dies kann mit einfachen Mitteln und zum großen Teil im Einklang mit vorhandenen Nutzungs- und Bewirtschaftungsformen erfolgen.
In der klimatisch begünstigten Saale-Unstrut-Region sind die Erfolgsaussichten dafür gut und rechtfertigen die anfallenden Kosten und Aufwendungen.